Nicht gemeckert ist Lob genug? - Ein Aufruf zu mehr Wertschätzung

Nicht gemeckert ist Lob genug - ein Satz, der in Trainings, Coachings und in unserem Alltag in Teams immer wieder fällt. Oft wird dieser Spruch zwar von einem ironischen Lächeln begleitet, aber ein bisschen Wahrheit steckt meist trotzdem drin. In der Begegnung mit Führungskräften und Teams begegnet uns diese Haltung immer häufiger.Auch schon vor der Pandemie - die uns alle sehr viel sensibler gemacht und unsere Nerven insgesamt überstrapaziert hat - ist das Thema Wertschätzung immer wieder aufgekommen: Teammitglieder, die sich untereinander zu wenig wertschätzen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die sich von ihren Vorgesetzten nicht wertgeschätzt fühlen. Aber auch Führungskräfte, die sich sowohl von eigenen Vorgesetzten oft nicht wertgeschätzt fühlen als auch aus ihren Teams wenig Wertschätzung erfahren.

Dabei ist gegenseitige Wertschätzung ausgesprochen und als innere Haltung das, was auf unser ureigenstes Grundbedürfnis einzahlt: Zugehörigkeit und psychologische Sicherheit. Wertschätzung ist quasi der Kit in Teams, das was uns zusammenhält.

Überall erleben wir gerade hohe Fluktuationen, hohe Krankheitszahlen, Konflikte in Teams, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Vorgesetzten sowie Beschwerden über unzureichende Arbeitsergebnisse.

All das hat sicherlich viele Ursachen, wie individuelle Dispositionen, äußere Rahmenbedingungen und natürlich auch die aktuelle Zeit, in der wir leben. Auf diese Aspekte haben wir nicht immer Einfluss, Gestaltungsmöglichkeiten halten sich im Rahmen. Worauf wir aber Einfluss nehmen können, ist die Gestaltung unseres Miteinanders - wie gehen wir miteinander um, wie sorgen wir gut füreinander und für uns selbst?! Dabei ist Wertschätzung ein zentraler Kern.

Wofür ist Wertschätzung eigentlich gut?

Ein wertschätzendes Miteinander zahlt auf die psychologische Sicherheit im Team ein. Wir schaffen damit sozusagen unser Netz mit doppelten Boden, in das wir uns auch mal fallen lassen können und das uns die notwendige Sicherheit gibt, auch mal Risiken einzugehen. In einem Umfeld, in dem wir uns sicher und zugehörig fühlen, bringen wir uns gern mit unserer ganzen Persönlichkeit und mit all unserenTalenten ein.

In einem Team, das sich durch ein wertschätzendes Miteinander Sicherheit gibt, gehen die einzelnen Teammitglieder eher auch mal ein Risiko ein, Neues auszuprobieren, neue Ideen einzubringen und Dinge, die ihnen auffallen, anzumerken. Wenn uns das im Team fehlt, entwickeln wir unsere Arbeit nicht weiter und verlieren irgendwann den Blick dafür, ob wir noch wirksam sind und was uns eigentlich wirksam macht.

Psychologische Sicherheit schafft eine Atmosphäre, in der wir uns trauen, auch mal um Hilfe zu bitten oder einen Fehler zuzugeben. Vertuschte Fehler nehmen uns die Chance zum Lernen und sorgen oft für Konflikte im Team.

In einer sicheren und von Wertschätzung geprägten Umgebung bringen wir uns mit unseren Gestaltungsideen stärker ein, übernehmen mehr Verantwortung und denken mit. Nichts ist für die gemeinsame Weiterentwicklung im Team blockierender als Teammitglieder, die sich zurückhalten, Dinge, die ihnen auffallen und verändert werden müssten nicht benennen, mit allem unreflektiert konform gehen - und am Ende doch was anderes machen…

Auch auf unsere psychische und physische Gesundheit wirkt Wertschätzung! In einem Arbeitsumfeld, in dem wir wertschätzend und respektvoll miteinander umgehen, werden wir weniger krank. Wir gehen dann nicht nach einer schlaflosen Nacht, durch Sorgen und Angst vor der Arbeit, mit Herzrasen und Bauchschmerzen ins Büro. Vielmehr freuen wir uns darauf, unsere Kolleginnen und Kollegen und im Idealfall auch unsere Chefin oder unseren Chef zu sehen.

Wie kann das jetzt eigentlich gehen mit dieser Wertschätzung, die immer alle haben wollen?

Verändern Sie ihren Fokus

Wir empfehlen Ihnen zunächst einmal, Ihren Fokus zu verändern - mit der Idee: Unsere Energie geht dahin, worauf wir unseren Fokus legen. Wenn Sie nun also Ihren Fokus darauf legen, eher zu suchen, wo Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Kolleginnen und Kollegen wieder einmal einen Fehler gemacht haben oder was mal wieder nicht funktioniert hat, dann werden sie auch nur diese Aspekte entdecken. Lenken Sie jedoch sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld ihren Fokus und damit Ihre Energie auf das, was wertzuschätzen ist, was Sie hier hält, dann hat das einen unmittelbaren Einfluss auf Ihr Wohlbefinden. Viel wahrscheinlicher fühlen Sie sich dann leichter und positiver aufgeladen als im umgekehrten Fall. Sehr wahrscheinlich werden Ihnen dann auch mehr Aspekte auffallen, die Sie wertschätzen können.

Erwischt!

Wir regen unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowohl in den Teamcoachings als auch den Führungskräftetrainings immer wieder dazu an, andere dabei zu „erwischen“, wie sie etwas richtig gut gemacht haben - was Ihnen im Übrigen leichter fallen wird, wenn Sie Ihren Fokus darauf lenken ;-) Wenn Sie dann den oder die andere dabei erwischt haben, etwas gut gemacht zu haben, teilen Sie es mit. Viel zu oft nutzen wir das Instrument „Feedback“ dazu, anderen mitzuteilen, was sie noch optimieren können. So schaffen wir eine Feedbackkultur, die davon geprägt ist, das zu sehen und mitzuteilen, was sich verändern soll statt das zu fördern, was schon richtig gut läuft.

Wenn Sie anderen mitteilen, was Sie an ihnen wertschätzen, wofür Sie dankbar sind, was Ihnen richtig gut gefällt, richten Sie zum einen einen positiveren Blick auf Ihre Teammitglieder. Zum anderen bewirken Sie, dass Sie mehr von dem bekommen, was gut ist. Im Coaching nennen wir das „Stärken stärken, Ressourcen nutzen und mehr von dem, was schon gut ist“. Angenommen, Sie wertschätzen einen Kollegen dafür, dass er die gemeinsame Teamrunde mit einer wunderbaren Agenda vorbereitet und damit die Teamrunde zu einer produktiven Sitzung moderiert hat, dann erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass er die nächste Runde wieder so wunderbar vorbereiten und moderieren wird.

Haltung zeigen

Sie werden umso erfolgreicher mit Ihrer Wertschätzung für andere sein, wenn Sie diese als innere Haltung leben und nicht nur stumpf als Methode anwenden, um Ihr Umfeld zu noch mehr Leistung zu führen.

Nichts steht echter Wertschätzung mehr im Weg, als ein „Danke“, das nicht durch das Handeln und die innere Haltung gestützt wird. Sprich Ihr Gesagtes darf zu Ihrem Verhalten und Ihren eigenen Gefühlen und Ihrer Haltung passen.

Zum Leben erwecken

Wie leben wir Wertschätzung? Indem wir

  • unserem Umfeld tatsächlich richtig und aktiv zuhören,
  • echte Aufmerksamkeit schenken,
  • uns Zeit nehmen,
  • Diskussionen auf Augenhöhe führen und
  • die Ideen der anderen gleichberechtigt in den Fokus nehmen,
  • respektvoll miteinander umgehen (den anderen anschreien oder sarkastische Mails gehören nicht dazu…) und
  • unsere Wertschätzung explizit ausdrücken und die Ideen und Leistungen der anderen würdigen.

Da wir uns alle auch im Erleben von Wertschätzung unterscheiden, gehen Sie mit Ihrem Team und Ihren Kolleginnen und Kollegen in den Austausch darüber, wie jede/r einzelne Wertschätzung erlebt? Wie fühlen sich Ihre Kolleginnen und Kollegen gewertgeschätzt und wie zeigt jede/r einzelne anderen seine/ ihre Wertschätzung?

Etablieren Sie außerdem positive Feedbackrunden oder Lobduschen als regelmäßig wiederkehrende Events im Jahr. Auch könnten Sie den „Positivfokus“ mit auf die Agenda für Ihre Teamrunden nehmen und sammeln Sie gemeinsam im Team: Was war in der letzten Woche richtig gut? Was ist uns gut gelungen? Was wollen wir beibehalten? Wann sind wir richtig gut miteinander umgegangen? Wann haben wir einander richtig ernst genommen? Wann haben wir Fehler zugelassen und daraus etwas Neues gelernt?

Empfehlen mögen wir Ihnen auch die Methode der „KudoCards“ oder der Wertschätzungskarten. Mit ihnen schreiben Sie sich gegenseitig kleine Kärtchen, auf denen Sie einander mitteilen, was Sie bspw. an dem anderen wertschätzen, wofür Sie dankbar sind, was Sie großartig finden und wozu Sie dem anderen gratulieren mögen. Solche Karten mit einem ernst gemeinten Feedback bleiben in positiver und energiegebender Erinnerung - im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie finden Platz auf der Pinnwand im Büro oder auf dem Schreibtisch und können so immer wieder angeschaut werden.

Wir nutzen diese Karten gern auch in unseren Teamcoachings oder geben sie Führungskräften in unseren Trainings mit. Denn auch uns ist es ein Anliegen, mehr Wertschätzung in die Welt zu bringen.

Und wenn Sie jetzt denken: ja wer wertschätzt mich denn mal?

Dann gehen Sie mit gutem Beispiel voran, etablieren Sie eine Kultur der Wertschätzung und des positiven Feedbacks. Frei nach dem Motto, wie es in den Wald hinein schallt, schallt es wieder raus. Einer darf den Anfang machen. Starten sie in die Woche und fragen sie sich: wem kann ich diese Woche meine Wertschätzung geben? Worauf möchte ich achten? Hierdurch verändern Sie auch schon Ihren Fokus für die Woche - nämlich darauf zu schauen, was gut und wertzuschätzen ist.

 

Haben Sie Lust darauf, in Ihrem Team eine wertschätzende Teamkultur zu entwickeln? Dann sprechen Sie uns gern an.

kontakt@ankersetzen.com

Mehr Informationen zur Teamentwicklung

Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie wir Ihnen bei der Entwicklung Ihres Teams als Spaaringspartner zur Seite stehen können, dann schauen Sie doch mal hier.

 

Als Führungskraft eine wertschätzende Teamkultur fördern

 

Gehen Sie mit uns auf Ihre persönliche Führungsreise und entwickeln Sie Ihre Führungskompetenzen mit mit unseren Impulsen weiter. Für mehr Informationen schauen Sie gern hier.

Als Teilnehmerin oder Teilnehmer unserer Führungsreise gehen Sie mit einem gefüllten Methodenkoffer zurück in Ihre Führungspraxis. Im Koffer enthalten sind auch die KudoKarten.

 

Anker to go

  1. Eine wertschätzende Teamatmosphäre schafft die Sicherheit im Team, die wir brauchen, um uns mit unserer ganzen Persönlichkeit und unseren Ideen einzubringen, Neues auszuprobieren und Verantwortung für unsere Arbeit zu übernehmen.
  2. Ein veränderter Fokus darauf, was gut und wertzuschätzen ist, hilft uns, auch genau diese Dinge zu sehen und zurück zu melden. Damit schaffen wir eine positive Feedbackkultur und ermöglichen ein „Mehr von dem, was gut läuft“.
  3. Statt darauf zu warten, dass andere mit der Wertschätzung starten, könnten wir selbst damit einfach mal anfangen und somit eine neue Energie ins Team und in unser Miteinander bringen.